Ein Rucksack voll Hoffnung – für Münster. Das war die Idee, mit der Aurelius Thoß und Sebastian Jeising sich gemeinsam im Winter 2014 auf den Weg nach Hamburg machten. Die beiden hatten sich mit der Situation von Menschen ohne festen Wohnsitz beschäftigt, als Aurelius auf Sebastians Essay über dieses soziale Phänomen in der draußen! aufmerksam wurde. Er kontaktiere Sebastian mit dem Absicht, mehr zu tun als lediglich darüber zu schreiben.

Die Schüler dachten darüber nach, wie Gleichaltrigen die sachliche Auseinandersetzung mit Obdach- und Wohnungslosigkeit ermöglichen werden könnte, und entwickelten die Idee eines Unterrichtskonzeptes für die gymnasiale Oberstufe. Während sie mit Frau Prof.’in Karin Böllert des Fachbereiches Sozialpädgogik an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster eine von der Idee begeisterte Kooperationspartnerin fanden und den Kontakt zu Schulen, Lehrern und Studenten aufbauten, hörte Aurelius von der Initiative der Hamburgerin Kamile Kantarci, die mit Bekannten begann, Spenden zu sammeln, diese in Rucksäcke zu packen und an Bedürftige auf der Straße zu verteilen. Von der Geste und der Niedrigschwelligkeit der Idee überzeugt, fuhren Aurelius und Sebastian nach Hamburg zum Vernetzungstreffen. Zurück kamen sie mit einer Vielzahl guter Anregungen für das Sammeln von Spenden für den Aufbau eines Netzwerks. Die beiden Schüler beschlossen, Ein Rucksack voll Hoffnung – für Münster mit einer Sammelaktion von finanziellen und Sachspenden zu starten.

Die für alle Samstage im März 2015 angesetzten Sammelaktionen in der Innenstadt waren dank der vielen MithelferInnen, die Flugblätter verteilten und all ihren Freunden und Verwandten von den Aktionen berichteten, des Artikels der draußen! und der Westfälischen Nachrichten und der Startfinanzierung durch die Sparkasse Münsterland-Ost ein voller Erfolg und wir wurden mit Sachspenden geradezu überhäuft. Diese anschließend zu sortieren, war die nächste große Herausforderung und dauerte bis Anfang Juli 2015.

Den ersten, von inzwischen über 100 verteilten Rucksäcken, verteilten wir an Robert, den wir oft wiedertrafen und zu dem wir immer noch in Kontakt stehen. Die freudige Überraschung der Beschenkten sowie das Gefühl, ihre Lebenssituation wenigsten ein bisschen verbessert zu haben, sind stets eine wertvolle Erfahrung für alle Beteiligten. Ein Rucksack voll Hoffnung steht für den erfolgreichen Versuch, den obdach- und wohnungslosen MünsteranerInnen die Gewissheit zu geben, einen Platz in unserer Gesellschaft zu besitzen. Wir sprechen mit den Betroffenen auf Augenhöhe, mit einem ehrlichen Interesse an ihrer Persönlichkeit und ihrer Geschichte und beschenkten sie nicht von oben herab, als eine Geste eines angeseheneren Milieus.